Ausblick auf die Bio-Vermarktung

Trotz Flächensteigerungen bei Umstellern und im Bio-Status gibt es gute Marktchancen für Ackerfrüchte.

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© RWA
Die Ackerflächen von Bio-Betrieben und Umstellern nehmen zu. Die Nachfrageseite hinkt im Wachstum seit 2 Jahren allerdings in der Geschwindigkeit nach. Deutlich zu sehen ist das an den Lagerbeständen am Ende eines Wirtschaftsjahres. So stiegen nach den Daten der AMA die Lagerbestände bei Weizen um 150 %. In den traditionellen Export-Destinationen für österreichischen Bio-Weizen wird die nationale Produktion ebenfalls ausgeweitet. Das Angebot an Anbau-Verträgen für die Ernte 2019 wurde dementsprechend verringert.

Wachsende Nachfrage in diesen Märkten, ein hoher Zertifizierungsstandard und die ausgezeichnete Weizen-Qualität wecken trotzdem für die Saison 2019/20 Hoffnung auf Vermarktungschancen. Ein immer häufiger auftretendes Problem im Weizenanbau ist der Befall mit Weizen-Steinbrand. Befallenes Erntegut ist nur mit einer kostspieligen Reinigung zu retten und kann – wenn überhaupt – nur mehr im Futterbereich eingesetzt werden. Die Mais-Lagerbestände stiegen um 200 % mit 2 Schwerpunkten: Die deutlich gestiegene Umsteller-Produktion konnte nicht mehr zeitgerecht vermarktet werden. Und auch das Überlager der Verarbeiter für Bio-Mais ist stark angestiegen. Beide Bestandsmengen belasten damit den Markt im Wirtschaftsjahr 2018/19 zusätzlich. Auch Hafer stieg um 30 % innerhalb von 2 Jahren an. Roggen wird am Ende dieses Wirtschaftsjahres wieder einen deutlichen Anstieg des Lagerbestandes erleben. Grund sind die Ausweitungen der Fläche und Hektar-Erträge von + 60 % gegenüber dem Vorjahr.

Nach dem Ende der Umstiegsmöglichkeit auf die höherwertige Maßnahme „Bio“ im Rahmen des aktuellen ÖPUL-Programmes wird es nach der Ernte 2019 eine mögliche Entspannung des Marktes geben, da der Verbrauch in den vergangenen Jahren immer kontinuierlich gestiegen ist und der Trend weiter anhält.

Was allerdings passieren kann, wenn am Markt vorbei produziert wird, hat jeder Anbauer von Dinkel aus dem Erntejahr 2016 noch in schmerzhafter Erinnerung. Allerdings hat sich die Anbaufläche wieder deutlich reduziert, sodass sich die Preise wieder erholt haben. Welche Empfehlungen können daher für den Frühjahrsanbau 2019 gegeben werden?

Umsteller: Leguminosen gefragt

Gesucht werden auf jeden Fall Leguminosen, sowohl pur oder in Form von Getreide-Leguminosen- Gemengen. Zu forcieren sind Gerste/Erbse und Gerste/Ackerbohne, die von den Lagerhaltern auch gemeinsam gelagert werden können. Wer auf reine Leguminosenmischungen setzen möchte, kann Platterbse/Ackerbohne bzw. Platterbse/Erbse anbauen.

Die Unterkante für einen sinnvollen Einsatz im Mischfutterbereich sind 30 % Leguminosenanteil im Erntegut, Ziel ist 50 %. Die BGA empfiehlt daher nur 10 % bis maximal 20 % Getreide zu den Saatgutmischungen beizufügen. BGA-Tipp: Halten Sie auf jeden Fall Rücksprache mit Ihrem Lagerhaus, wenn sie andere Mischungen anbauen möchten, um eine reibungslose Ernteübernahme und Vermarktung zu gewährleisten. Den Umsteller-Betrieben empfiehlt die BGA, die Überproduktion und das drückende Überlager bei Mais zu berücksichtigen und in ihrer Anbauplanung den Einstieg in andere Kulturen zu prüfen.

Sonnenblume unverändert

Die angebotene Vertragsfläche für Bio-Mais zur Ernte 2019 wurde deutlich reduziert, da die Verarbeiter von Bio-Mais derzeit damit beschäftigt sind, den Lagerbestand abzuarbeiten. Der Markt für Bio-Braugerste ist auf jeden Fall aufnahmefähig für österreichische Ware. Langfristiges Ziel ist auch hier, die Winterbraugerste mit ihren ertrags- und qualitätsstabileren Eigenschaften im Vergleich zur Sommerbraugerste zu etablieren. Bio-Sojabohne hat in den letzten Jahren die Anbaufläche deutlich ausgeweitet mit + 124 %. Der Grund dafür ist schnell erklärt: In Österreich werden im Mischfutterbereich dringend Proteine gebraucht und auch Verarbeitung im Speisebereich steigt stetig an. Für die Tofu-Produktion werden zum Beispiel Sorten mit einem hohen Proteingehalt gesucht – den die neuen Sorten fast durchwegs aufweisen. Die Nabelfarbe spielt dabei keine Rolle mehr. Eine Gefahrenquelle gibt es bei der Vermarktung von Sojabohne im Speisebereich – den Stechapfel. Da die Giftstoffe nicht nur im Samen, sondern auch im Stängel enthalten sind, finden sich diese verstärkt auch im Erntegut, was besonders in der Sojabohne zum Thema wird. Entfernen Sie daher unbedingt rechtzeitig bei einem Auftreten die Pflanzen vom Acker.

Lagerbestand

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© www.ama.gv.at

Wissenswertes: Bio-Flächen nehmen deutlich zu

Die Ackerfläche von Bio-Betrieben und Umstellern hat sich nach Angaben der Agrarmarkt Austria seit der Ernte 2015 bundesweit von knapp 194.000 ha auf 236.000 ha zur Ernte 2018 erhöht. Experten der LK Österreich gehen davon aus, dass zur Ernte 2019 nochmals ein deutlicher Schwung von etwa 800 Betrieben den Umstieg auf die Bio-Produktion durchführt. Und die haben ihre Flächen überwiegend in Niederösterreich und Burgenland – also vorwiegend Marktleistungsbetriebe. Erste Einschätzungen gehen von einer zusätzlichen Ackerfläche im Umfang von mindestens 25.000 ha zur nächsten Ernte aus. Zu bedenken ist auch, dass etwa 22.000 ha Ackerland nach 2 Jahren „Umsteller“ auf den Status „Bio“ wechseln.

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