Preisrallye gleich nach Einlagerungsbeginn

Wohin strebt der Düngemittelmarkt? Wann soll ich welchen Dünger kaufen? RWA-Düngemittelspezialist DI Andreas Hochgerner analysiert den Markt.

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Nach den Tiefstständen der letzten beiden Jahre ziehen die Düngerpreise wieder an. Individuelle Mischungen helfen, den Einsatz von Düngemitteln zu optimieren. © RWA
Die Entwicklung in den ersten Wochen des Düngerjahres 2018/19 zeigen, dass der internationale Düngermarkt immer wieder mit Überraschungen aufwartet und Prognosen selbst von erfahrenen Experten deutlich daneben liegen können.

Was ist geschehen?

Am 22. Mai 2018 veröffentlichte Yara, der weltweit größte Nitratproduzent (Firmensitz in Norwegen), den Juni-Startpreis der neuen Saison für Deutschland und BeNeLux. Dieser lag geringfügig über dem Preis des Vorjahres, war jedoch auch höher als die Preise, die unmittelbar davor noch für die Frühjahrsanwendung angeboten wurden. Trotzdem akzeptierte der Handel, im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren, diese Preise für von der Industrie begrenzte Mengen. Nur 3 Tage später (die Juni-Mengen waren bereits durchgehandelt) erhöhte Yara den Preis für Juli-Lieferung um 6 Euro und für August-Lieferung um weitere 5 Euro. Die nächsten saftigen Preiserhöhungen ließen nicht lange auf sich warten und Ende Juli war der Großhandel in Deutschland mit Preisen konfrontiert, die 50 Euro über dem tiefsten Preis zu Einlagerungsbeginn im Juni lagen.

KAS: Österreich unter deutschem Preis

Auch in Österreich startete die KAS-Saison mit einem leicht über den Vorjahren liegenden Preis, jedoch deutlich unter dem Niveau in Deutschland. Vor allem der ungarische Produzent Nitrogenmüvek verkaufte im Juni zu Konditionen, welche CPT (frei Lagerstelle geliefert) unter den deutschen CIF-Preisen (frei Hafenstandort geliefert) lagen.

Der heimische KAS-Produzent Borealis (ehemals Agro Linz) spielte bei diesem „Preiskampf“ in Österreich in den ersten Wochen nicht mit, überließ den Markt Nitrogenmüvek (Ungarn) und Duslo (Slowakei) und verkaufte zu besseren Ab-Werks-Erlösen nach Deutschland. Zwischenzeitlich sind auch in Österreich die Preise bis Ende Juli in mehreren Etappen um insgesamt 25 Euro gestiegen, jedoch deutlich weniger als im etwa zehnmal größeren deutschen KAS-Markt. Gründe für diese Preisentwicklung gibt es mehrere (nächster Absatz). Tatsache bleibt, dass KAS gegenüber dem Vorjahr deutlich zugelegt hat.

Experten lagen daneben

Im Frühjahr stark fallende KAS-Preise führten Anfang Mai zu Erwartungen für Einlagerungspreise auf Vorjahresniveau, wenn nicht sogar darunter. Selbst Industrievertreter erwarteten, dass die geringe Nachfrage im Frühjahr und der damit verbundene Lageraufbau einen massiven Einfluss auf das Preisniveau zu Einlagerungsbeginn haben könnte.

Harnstoff: 40 – 50 Euro über dem Vorjahr

Wie sieht die aktuelle Marktsituation beim Stickstoff-Leitprodukt Harnstoff aus? In den letzten beiden Jahren gab es jeweils im Sommer zu Einlagerungsbeginn historisch tiefe Harnstoffpreise. Eine kontinuierliche Ausweitung der Produktionskapazitäten bei gleichzeitig nur leicht steigender weltweiter Nachfrage führte zu einem Angebotsüberhang und brachte die Preise unter Druck. Produktionsreduktionen in China (in China stehen mehr als 40 % der weltweiten Harnstoffkapazitäten) sorgten für eine Stabilisierung der Notierungen und steigende Preise. Seither ist mehr oder weniger der weltweit größte Harnstoffimporteur Indien für signifikante Preisausschläge verantwortlich.

Per Ende Juli lagen die für uns wichtigen Notierungen 40 – 50 Euro über den Preisen des Vorjahres. Aus diesem Grund konnte die Nitratindustrie die KAS-Preissteigerungen relativ leicht am Markt durchsetzen. Sollte Harnstoff jedoch in den nächsten, Wochen (Stand August 2018) schwächer notieren, würde das weitere Preiserhöhungen erschweren.

Phosphat teurer, Kali relativ stabil

Die Phosphatpreise, hier vor allem DAP, sind seit einigen Monaten äußerst fest und liegen per Ende Juli fast 100 Euro über den Einkaufspreisen des letzten Jahres. Ob es auch heuer wieder Ende 3., Anfang 4. Quartal zu einer Preisabsenkung wie in den letzten Jahren kommt, ist aus Sicht der großen Produzenten (Russland, Nordafrika) noch ungewiss. Dies bedeutet, dass die Landwirtschaft auch bei den Phosphatdüngern mit deutlich höheren Preisen im Vergleich der letzten beiden Jahre rechnen muss.

Allein die Kalipreise zeigen weiterhin ein relativ stabiles Preisniveau. Aber auch hier konnte die Industrie in den letzten Wochen Preissteigerungen am Markt realisieren, die sich jedoch in einem akzeptablen Rahmen halten.

Mehrnährstoffdünger: Preise steigen

Aus all den bisher genannten Entwicklungen kann man sich einfach ausrechnen, dass auch RWA die Preise für Mehrnährstoffdünger in der heurigen Saison über den Vorjahrespreisen liegen müssen. Einige große ausländische weltweit agierende Produzenten waren bereits im Juli bis weit in die Saison hinein ausverkauft. Dies ermöglicht es der Industrie, deutliche Preissteigerungen durchzusetzen, da es teilweise an Alternativen mangelt. Der weitere Saisonverlauf ist jedoch stark von der Marktentwicklung bei DAP und Stickstoff abhängig.

Kommentar von DI Andreas Hochgerner

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DI Andreas Hochgerner, RWA, Leiter Abteilung Düngemittel © RWA
Welches Resümee kann man nach den bisherigen Entwicklungen in den ersten Wochen der Saison 2018/19 ziehen? Die letzten beiden Düngersaisonen bescherten uns die tiefsten Düngerpreise der letzten 10 Jahre. Heuer müssen wir wieder mit deutlich höheren Preisen rechnen. Wer zumindest den Großteil seines KAS-Bedarfs bereits gekauft hat, hat die richtige Entscheidung getroffen. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist frühestens gegen Ende der Frühjahrssaison 2019 mit fallenden Preisen zu rechnen. Harnstoff war bisher noch nicht so richtig interessant. Bei Mehrnähstoffdüngern sollte man jedoch nicht zu lange zuwarten, da aus aktueller Sicht mit weiteren Preiserhöhungen und eventuell sogar schlechten Verfügbarkeiten im späteren Verlauf der Saison gerechnet werden muss.